Das Tagebuch
Pendeln – der tägliche Wahnsinn (Teil 5)
Verspätete Züge, unfreundliche Schaffner, nervende Fahrgäste: Seit ich zwischen Freiburg und Offenburg pendle, gehört das zum Alltag. Aber ich habe fünf Leidensgenossen und gemeinsam erleben wir lustige Geschichten. Davon werde ich euch nun jeden Tag erzählen…
Meine Mitpendler
- Samantha: gelernte Grafikdesignerin, jetzt Volontärin bei „Wohnen und Garten“. Schwärmt für Mode, Liebeskomödien und ihren Freund Stefan. Ihm zuliebe schaut sie sogar Horrorfilme an – aber nur mit Kissen.
Sarah: fröhliche „Freizeit Revue“-Kollegin mit einer schier unbändigen Energie. Sarah ist fast jeden Abend auf Achse und morgens trotzdem immer topfit. Hinter dieses Geheimnis muss ich kommen. Außerdem schreibt sie monatlich um die 400 (!) SMS und kann toll backen.
Martin*: redegewandter Rechtsanwalt, arbeitet in einer Kanzlei in Offenburg. Hat ein ausgeprägtes Faible für Klaus Kinski-Filme, italienische Comics und skurrile Mandanten. Berichtet gerne ausführlich von seinen Fällen – selbstredend ohne dabei Namen zu nennen.
Peter*: sportbegeisterter Schreiberling, der sich mit Wein auskennt, oft nach Frankreich fährt und als gebürtiger Schwabe Fan vom VfB Stuttgart ist. In der Hinrunde hat ihn diese Leidenschaft ordentlich Nerven gekostet, da der ambitionierte Verein aus dem Ländle momentan gegen den Abstieg kämpft.
Fabiano*: armer Azubi, mag Handys, Cola und seinen Papa, einen Pizzabäcker/Eisdielen-Besitzer („Das ist abhängig von der Jahreszeit“). Möchte gerne die Erfindung seines Lebens machen, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Bisher fehlte leider eine zündende Idee.
*Namen geändert
Freitag, 22. Januar: Das große Finale
Die Wehmut packt mich. Heute werde ich das letzte Mal an dieser Stelle berichten. Aber bevor mir das Mikro der Schreibblo(g)ck entrissen wird, melde ich mich noch einmal zu Wort. Eine schwere Bürde. Denn der krönende Abschluss muss her. Das Siegtor in der letzten Minute, wenn der Gegner schon stehend KO ist. Stellt sich die Frage: Wer war eigentlich mein Gegner? Die Bahn? Ach was, mit der fahre ich doch irgendwie gerne. Offenburg? Nein. Denn da arbeite ich definitiv gerne. Auch wenn ich in Freiburg wohne. Ihr merkt schon: Aus der Nummer komme ich nicht unbeschadet raus. Ich muss also zugeben: Das mit dem Siegtor und dem Gegner habe ich nur geschrieben, weil ich so auf Fußball-Metaphern stehe. Und eines ist sowieso klar: Solange ich gewinne, ist egal, wer der Gegner ist. Doch bevor mir vor lauter Schulterklopfen die Schulter weh tut, wende ich mich lieber der heutigen Zugfahrt zu. Die Bahn kommt pünktlich (Lob!) und bis auf Fabiano sind alle anwesend (Freude!). Da Freiburg am Abend gegen Stuttgart spielt, herrscht ausgelassene Derbystimmung. Ich will gerade das „Badnerlied“ anstimmen, als Peter vollmundig einen Kantersieg seiner Spätzle-Truppe ankündigt. Wir beschließen, das Spiel gemeinsam anzuschauen. „Versteck’ dich zum Jubeln aber unterm dem Tisch, wenn der VfB das 5:0 gemacht hat“, rät Martin dem grinsenden Peter. „Hochmut kommt vor dem Fall“, entgegne ich und werfe gedanklich drei Euro in das imaginäre Phrasenschwein. In Offenburg endet wie immer unsere Fahrt. Und damit leider auch mein letzter Eintrag. Liebe Pendlerfreunde, ich habe fertig. Danke für die Aufmerksamkeit.
Auf den nächsten Seiten findet ihr Teil 1, 2, 3 und 4 des Pendler-Tagebuchs




Nett und kurzweilig geschrieben! Macht Spaß!
Mehr davon! Nur das mit dem Kicker hättest du früher sagen müssen, Jana. Jetzt haben wir gerade das Abo gekündigt
Morgen kommt der Peter. Ich habe ihn angehauen, dass er mal wieder früh aufstehen soll
@ Conny: Ja, schade. Dann hole ich den Kicker eben weiter beim Kiosk-Besitzer meines Vertrauens und lese ihn morgens im Zug. Ist ja auch schon ein Ritual
@ Samantha: Schön, dann singe ich ihm erst mal das Badnerlied vor…
@ Samantha: Jaja, ich geb mir jeden Morgen Mühe. Aber manchmal ist die magnetische Wirkung der Matratze und die Gravitationskraft des Frühstückstisches einfach größer …
@ Jana: Das Badnerlied darfst Du nur beim SC im Stadion singen – sonst verlasse ich unter Protest das Zugabteil. Übrigens: Am Freitag kassiert der SC eine weitere Heimniederlage. Wirklich freuen werde ich mich darüber aber auch nicht, da ich fürchte, nächstes Jahr keinen Erstligafußball mehr live im Stadion gucken zu können.
Die beste Folge des Tagebuchs! Ob sie morgen zu toppen ist?
Der Schaffner hätte übrigens ein Bild von euch machen können!
Sympathisch offen. Schockierend ungerecht. Bei den Ticketpreisen sollte ich mir vielleicht überlegen, ob ich nicht anstatt in Zugtickets in Londsdale-Jacken investiere. Den Bad Boy Blick kann ich schon ganz gut.
Hoffen wir, dass du noch was Essbares gefunden hast. Fabiano hätte dir bestimmt mit seinem Zuckergetränk helfen können. Denn drei Cola sind ja auch ein Schnitzel. Oder so.
Schönes Ding! Freu mich auf morgen!
Sehr schade, jetzt ist das Pendler-Tagebuch zu Ende. Aber unsere bunte Truppe bleibt weiterhin erhalten
Ich hoffe, ich muss zumindest nicht auf deine live-Berichterstattungen vor der Arbeit verzichten! Sonst fehlt der gute Start in den Tag!!
Hey Jana, wirklich schade – hab mich schon sehr mit der täglichen Lektüre des Blogs angefreundet. Zum Glück ist aber mit dem Blog nicht auch die Pendler-Community beendet. Hoffe, dass das auch noch nach dem erwähnten Kantersieg des VfB gilt
Ole ole, P.