Ortenauerin in Haiti

„Wir waren krank vor Sorge“

Die Eltern der Ortenauerin Anke B. bangten um das Leben ihrer Tochter. Sie war zur Zeit des schweren Bebens in Haiti. Jetzt rief sie ihre Eltern an und berichtete Schreckliches.

Bergung aus den Trümmern

Helfer bergen eine Verletzte aus den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Port-au-Prince (Quelle: obs/action medeor)

Der vergangene Mittwoch war wohl der schlimmste Tag ihres Lebens: Einen Tag und eine Nacht bangten die Eltern von Anke B. um das Leben ihrer Tochter. Unmittelbar vor dem verheerenden Erdbebens in Haiti war die Ärztin in die Hauptstadt Port-au-Prince aufgebrochen. Unterwegs hatte sie noch ihren Vater angerufen und von Unwettern erzählt, dann war das Gespräch abgebrochen. Seitdem warteten die Eltern auf ein Lebenszeichen. „Wir waren krank vor Sorge“, erzählt die Mutter Edeltraud B. im Gespräch mit Brennpunkt Ortenau.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dann der ersehnte Anruf: Anke B. meldete sich aus Port-au-Prince. Sie teilte ihren Eltern mit, dass sie das Beben unverletzt überstanden habe. „Wir konnten nur kurz mit ihr sprechen, alles ging ganz schnell“, sagt Edeltraud B. Auch dieses Telefonat sei abgebrochen.

Entsetzliche Zustände

„Die Lage in der Hauptstadt muss entsetzlich sein“, sagt die Mutter Edeltraud B. Ihre Tochter habe versucht, an Medikamente und Verbandsmaterial zu kommen. „Aber da war nichts zu machen.“ Mit leeren Händen hätte sie den vielen Verletzten nicht helfen können. Ihre Tochter sei als Ärztin auch in Afghanistan gewesen und viel gewohnt, aber die Lage in Haiti, stelle alles in den Schatten. Anke B. habe von abgetrennten Gliedmaßen und vielen Leichen erzählt. Sie selbst habe nichts zu essen und zu trinken und schlafe zur Zeit im Auto, berichtet ihre Mutter.

Anke B. engagiert sich seit vielen Jahren für Haiti. Während ihrer Arbeit für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen lebte sie zwischen 1994 und 1995 ein Jahr in dem Land, in dem Armut, Kriminalität und Korruption an der Tagesordnung sind. 2002 gründete sie den Verein „Pwojè men kontre“ in Wolfach. Er finanziert ein Waisenhaus und eine Schule in Haiti.

Die ganze Nacht am Telefon

Am 6. Januar war Anke B. für drei Monate nach Haiti geflogen. „Sie wollte mit einem 14-jährigen Jungen aus dem Waisenhaus nach Kuba fliegen. Er sollte dort am Bein operiert werden“, berichtet Manfred Maurer, Schriftführer von „Pwojè men kontre“. Dann kam das Beben. Der Flugbetrieb ist zwar eingestellt. Anke B. will laut Maurer dennoch versuchen, einen Flug nach Kuba zu organisieren. Denn die OP ist seit langem geplant. „Wenn es jemand schafft, dann Anke“, sagt Maurer.
Anke B. hatte im vergangenen Jahr ihre Festanstellung im Kreiskrankenhaus gekündigt. „Die Arbeit für Haiti nimmt ihre ganze Zeit in Anspruch“, berichtet die Mutter. Vermutlich hält sich die Ärztin noch in Port-au-Prince auf. Dort ist die Lage weiterhin äußerst angespannt. Leichen werden nicht geborgen und die Seuchengefahr ist groß. „Wir machen uns immer noch Sorgen“, sagt Edeltraud B. „Wir versuchen, zu ihr durchzukommen, aber bis jetzt ohne Erfolg.“ Die Nächte sitzt Anke Bs. Mutter am Telefon, aus Angst, den nächsten Anruf ihrer Tochter zu verpassen.


von Ann-Christin Meermeier

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Der Autor

Ann-Christin Meermeier

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