Offenburger Fußball-Verein (OFV)

“Es ist viel falsch gelaufen”

Schulden, unklare Strukturen, Rücktritt des Vorstandes: Der Offenburger Fußballverein (OFV) stand kurz vor der Auflösung. Heute geht es in einer Vereinssitzung um die Zukunft des Vereins. Der Trainer des OFV, Arnold Brunner, nimmt im Interview zu den Hintergründen der Krise, dem Ist-Zustand und den Zielen des Vereins Stellung.

Arnold Brunner, Trainer des OFV

Arnold Brunner, der Trainer des OFV, kann auf zwei erfolgreiche Jahre beim OFV zurückblicken. Ob er weiterhin Trainer bleibt, wird heute entschieden. (Quelle: BPO)


Brennpunkt Ortenau (BPO): In den Medien macht der OFV in letzter Zeit häufig mit Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Welche Schwierigkeiten hat der Verein?

Arnold Brunner: Was man gerade alles liest und hört, sind mehr oder weniger Spekulationen und Gerüchte. Der jetzige Vorstand hat gute Arbeit geleistet. Zurückgetreten ist er nur aus zeitlichen Gründen. Aber natürlich ist die Situation immer noch nicht einfach, weil in der Vergangenheit einiges falsch gelaufen ist. Daher hat sich, als der Rücktritt des jetzigen Vorstandes bekannt wurde, keiner wirklich darum gerissen, Verantwortung zu übernehmen.

Was genau ist in der Vergangenheit schief gelaufen?

Ich bin erst seit zwei Jahren hier in Offenburg tätig, deshalb kann ich keine genauen Aussagen treffen. Vor 26 Jahren war der OFV Amateurmeister – eine richtig große Nummer. Und geblendet von diesem Erfolg, haben sich die damaligen Verantwortlichen übernommen und falsch gewirtschaftet. Das Ergebnis waren hohe Schulden für den Verein. Ein sportlicher Abstieg folgte. Aber jetzt sind wir auf einem guten Weg, die Altlasten loszuwerden.

Auf was sollte in Zukunft geachtet werden, damit der OFV eine sichere Zukunft hat?

Die Strukturen im Verein müssen überarbeitet werden. Zu viel Arbeit war auf zu wenigen Schultern verteilt. Das zu ändern, ist bisher nicht richtig gelungen. Wir sind Amateure, und man muss darauf achten, seriös zu arbeiten und nicht mehr Geld auszugeben als da ist.

Was erwarten Sie von der Vereins-Versammlung?

Der Versammlung sehe ich sehr positiv entgegen. Ich denke, ein euer Vorstand kann eine Chance für den OFV darstellen.

Sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Im Moment geht es um mehr als Tabellenplätze und Siege. Wir arbeiten daran, die sportliche Basis zu verbessern. Der Schlüssel liegt in einer guten Jugendarbeit. Die Nachwuchsspieler und die zweite Mannschaft müssen gestärkt werden. Die letzten zwei Jahre ist das sehr gut gelungen. Wir sind zweimal aufgestiegen. Aber wir haben uns davon nicht blenden lassen und haben den Kader nicht gleich so verstärkt, dass ein höheres Niveau sofort da ist. Wir haben den Spielern die Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Das hat uns Lehrgeld gekostet. Aber die Mannschaft ist dadurch gewachsen und hat auch sportliche Tiefen in dieser Saison gut weggesteckt. Jetzt sind wir die Besten der Liga. Ob wir am Ende der Saison Oberliga-Niveau erreicht haben, werden wir sehen.

Was planen Sie für die Vorbereitung? Gab es Verstärkungen in der Winterpause?

Die Vorbereitung beginnt im Februar, aber wie genau die ablaufen soll, ist noch nicht genau geplant. Wir sind von dem Kader und der Mannschaft überzeugt. Und wir haben in der zweiten Mannschaft Spieler, die drauf und dran sind, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Außerdem wollen wir A-Jugend Spielern in der Rückrunde die Möglichkeit bieten, in die erste Mannschaft reinzuschnuppern.

„Der DFB schert sich einen Teufel um die Basis im deutschen Fußball.“Arnold Brunner

In Berichten war zu lesen, der OFV habe Probleme, die Jugend für sich zu begeistern. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nein. Wir arbeiten in der Jugend bewusst eher qualitativ als quantitativ. Bei uns kann nicht jeder spielen, der mit der Sporttasche zum Stadion laufen kann. Wir bieten dafür auch eine sehr gute Ausbildung an, haben eine Kooperation mit dem SC Freiburg. Man hat also gute Entwicklungschancen hier. Und gerade deshalb sind wir in der Region bei jungen Spielern beliebt.

Und wie sieht es mit der Begeisterung der Fans aus? Hat die Zahl der Zuschauer abgenommen?

Der Zuschauerzuspruch im Amateurbereich ist überall rückläufig. Das liegt daran, dass der DFB sich einen Teufel um die Basis im deutschen Fußball schert. Da wird nur auf die Sponsoren und das Fernsehen geachtet. Sie können ja rund um die Uhr attraktiven Spitzen-Fußball schauen. Das führt dazu, dass am Wochenende keine Massen zu den Amateurvereinen strömen. Aber beim OFV sieht es noch gut aus. Wir haben konstant um die 500 Besucher. Auch die Auswärtsspiele sind extrem gut besucht. Aber natürlich wollen wir das in Zukunft mit attraktiver Spielweise noch steigern.

Und wie sehen Sie Ihre Zukunft im Verein?

Ich habe in 20 Jahren nur drei Stationen als Trainer durchlaufen. Ich halte nichts von kurzfristiger Arbeit. Meine Zukunft in Offenburg hängt aber vom Verein ab. Heute wird über das Trainer-Amt und die sportliche Konzeption entschieden. Das kann ich nicht beeinflussen. Wenn der neue Vorstand andere Vorstellungen und Ideen hat, ist das in Ordnung. Aber es ist mir wichtig, dass für den neuen Vorstand die Vereinsinteressen im Vordergrund stehen und dass weitsichtig gearbeitet wird. Mit Leuten, die nur ihr eigenes Süppchen kochen und auf den schnellen Erfolg aus sind, kann ich nicht arbeiten.

Kurzinfo zu Arnold Brunner

    Arnold Brunner (48) spielte bis zu seinem 27. Lebensjahr selbst Fußball. Danach arbeitete er als Trainer in Bahlingen, Kirchzarten und Denzlingen. Seit zwei Jahren ist er Trainer beim OFV. In dieser Zeit ist der Verein zweimal aufgestiegen und hat Teile seiner Schulden getilgt. Bei einer Vereinsversammlung heute Abend wird der neue Vorstand für den OFV bestimmt. Dieser wird dann auch über die Zukunft von Arnold Brunner beim OFV bestimmen. Weitere Informationen finden Sie auf der Vereinsseite des OFV.

von Kirstin Macher

Ein Kommentar

  1. “Wir sind von dem Kader und der Mannschaft überzeugt” – exzellent! ;)

Der Autor

Kirstin Macher

Ich bin die einzige, die ... zugibt jeden Steven Seagal Film gesehen zu haben.

Ich habe früher ... immer leidenschaftlich Andy "Turbo" Möller gegen Kritiker verteidigt.

Ich möchte in Zukunft ... verliebt bleiben und vor Freude platzen, wenn Schalke Meister wird.

Ich lache über ... Peter Sellers und meinen Onkel Manfred.

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