Tierheim Lahr

Tierliebe bis zur Erschöpfung

Mitzy wird abgeholt

Tierheim Lahr

Die kurz geschoren Perserkatze Mitzy mit ihrer neuen Besitzerin (Quelle: Brennpunkt Ortenau)

Katzendame Mitzy hat mehr Glück. Heute wird sie von ihrer neuen Besitzerin abgeholt. Dabei sieht Mitzy alles andere als vorzeigbar aus. Die Perserkatze wurde kürzlich geschoren und erinnert eher an einen zu klein geratenen Pudel. Heike Finkenzeller ist das egal. Die 37-Jährige hat sich für die betagte Perserkatze entschieden. Oder war es umgekehrt? Als Heike sie das erste Mal besuchte, hüpfte Mitzy ihr gleich auf den Schoß. „Dann passt es auch von ihrer Seite aus“, sagt die Frau und strahlt ihren neuen Liebling an. Bevor sie Mitzy jedoch mitnehmen kann, muss noch der Vertrag aufgenommen werden. Dafür gehen die zwei mit Patricia in das kleine Büro im Hundehaus. Vom Flur schallt das Bellen der Tiere herüber. Während Corinna Zahs den Vertrag fertig macht, kümmert sich Patricia um einen jungen Mann. Er will sich zwei Meerschweinchen aussuchen. Ein junges Ehepaar mit Kleinkind auf dem Arm wartet derweil schon ungeduldig vor dem Eingang des Tierheims.

Arbeiten ohne Pause

Seit sieben Uhr schaffen Corinna und Patricia. Pausen gab es heute nicht. Dafür ist zu viel zu tun. Saubermachen, Füttern, neue Tiere aufnehmen, mit potentiellen Besitzern sprechen, und und und. Der Tag scheint kein Ende zu nehmen. Inzwischen ist es halb sechs Uhr abends. Melanie ist gerade gegangen. Die beiden Heimleiterinnen werden viel länger bleiben. Denn auch die Wäsche muss noch gemacht werden. „Dazu bin ich heute noch nicht gekommen“, sagt Patricia erschöpft. Jeden Tag waschen sie 16 Maschinenladungen. Hauptsächlich sind es Decken voller Tierhaare, die gekocht werden müssen. Davor kapitulieren selbst die großen Industrie-Waschmaschinen immer wieder.

Magenschmerzen trotz Idealismus

Seit zehn Jahren übt Patricia jetzt den Beruf aus. Ihr war klar, was das bedeutet: „Wenn man Tierpfleger wird, weiß man, dass man schlecht bezahlt wird und viel zu tun hat.“ Sie ist ausgebildete Tierpflegerin, Corinna dagegen Quereinsteigerin. Sie kam über ihre Schwester, eine Gassigeherin, zum Tierheim. Patricia zieht an ihrer Zigarette, die sie hastig vor der Tür des Heims raucht. „Ohne Idealismus geht es nicht“, sagt sie nachdenklich. Trotzdem kann der Job Magenschmerzen machen, fügt sie hinzu. Nicht wegen der Tiere, sondern wegen der Menschen. Ende September war Patricia bei der Räumung einer Messie-Wohnung dabei. Aus der völlig verdreckten Behausung befreiten sie 18 verwahrloste Katzen, zwei Meerschweinchen, fünf Vögel und einen Hund. Patricia schüttelt ihren Kopf mit den langen Dreadlocks: „Man lernt die Tiere mehr zu schätzen als die Menschen.“ Patricia will sich gerade wieder aufraffen, um die Hunde zu füttern, da kommt Manni um die Ecke. Die 400-Euro-Kraft ist trotz Urlaubs gekommen, um nach dem Rechten zu sehen. „Ich wollte sehen, ob die klarkommen“, sagt er und grinst. Lachfalten bedecken sein bärtiges Gesicht. 108 Überstunden hat er schon gesammelt. Ohne zu Zögern geht er trotzdem die Hunde füttern.

Bildergalerie: Alltag im Tierheim Lahr


von Dominik Drozdowski

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Ein Kommentar

  1. Gerhard

    -leider traurig und wahr
    -ein kurzes Video hätte das noch anschaulicher gemacht
    -Rolf ist wie immer super getroffen :)

Der Autor

Dominik Drozdowski

Ich bin der einzige, der ... mehr als 1000 Filme gesehen hat.

Ich habe früher ... viel zu viel Fernsehen geschaut.

Ich möchte in Zukunft ...beruflich über Filme schreiben.

Ich lache über ... Absurditäten des Alltags.

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