Deutsch-französische Beziehungen
Über Grenzen hinweg
Vor 46 Jahren wurde der deutsch-französische Vertrag geschlossen. In der Ortenau ist Rheinau ein Beispiel, wie Projekte die Beziehungen zum Nachbarland stärken. Schon die Kleinsten sind dabei.
„Entre“, rufen 13 Kinder und eine Erzieherin im Chor. Die kleine Maya kommt in den hellen Raum und läuft an Bauklötzen vorbei. Auf dem Boden, unter einer blauen Decke, liegt einer ihrer Kameraden. Maya soll herausfinden, wer sich darunter verbirgt. Sie bückt sich und fragt leise: „Qui est là?“ „C’est moi“, antwortet das Kind unter der Decke. Maya ruft laut: „Noah!“
Französisch schon im Kindergarten
Die Kinder im Kindergarten Rheinau-Linx lernen Französisch. Einmal pro Woche zwanzig Minuten. Sabine Bliss, ihre Erzieherin, benutzt dazu die Handpuppe Jaques. Der kleine Stoffmann mit dem Schnurrbart spricht den Kindern die fremden Wörter vor: Begrüßung, Verabschiedung und kurze, einfache Sätze. So kommen die Kleinen spielerisch mit der neuen Sprache in Kontakt. In der Schule soll es ihnen dadurch leichter fallen, komplexe Sätze zu verstehen und zu lernen. „Wir stehen in engem Kontakt mit der Grundschule vor Ort“, sagt Sabine Bliss.
Die Lehrerin, die die Kinder in der ersten Klasse übernimmt, erkundigt sich bei ihr zu Beginn eines jeden Schuljahres nach ihrem Wissensstand. In diesem Jahr ist es Annegret Campos, die an der Grundschule Diersheim (Außenstelle von Rheinbischofsheim) Französisch unterrichtet. Sie ist von dem Kindergartenprojekt begeistert und erzählt: „Ich merke, dass die Kinder schon eine gewisse Sensibilität für die Sprache haben und sich mit der Aussprache leichter tun.“
Austausch zwischen den Grundschulen
Seit vier Jahren ist die “École de la Republique” im elsässischen Biesheim Partnerschule von Diersheim. Zwei bis dreimal im Jahr treffen sich die deutschen mit den französischen Grundschülern – zur Mini-Olympiade, zum gemeinsamen Rodeln oder zum “Galette des Rois”-Essen, einem französischen Kuchen. „Gut verständigen können sich die Schüler natürlich noch nicht, aber sie sprechen mit Händen und Füßen und lernen, dass es auch andere Kulturen gibt“, sagt Campos.
Gemeinsamer Tourismusverein
Auch bei den Erwachsenen klappt die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg, zum Beispiel beim Tourismusverein „passage 309“. Die Bürgermeister der beiden Städte, Hubert Hoffmann (Gambsheim, Frankreich) und Michael Welsche (Rheinau, Deutschland), stehen dem Verein vor. Ein Vorreiterprojekt auf kommunaler Ebene. Bisher gibt es so etwas nur regional. „Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Das zeigt unser erfolgreiches Projekt Fischtreppe“, erzählt Besucherbeauftragte Carolin Bohrer. Sie meint damit den Fischübergang am Rhein und das dazugehörige Besucherzentrum. Natürlich treten manchmal auch Probleme auf: „Aufgrund der verschiedenen Kulturen reicht es manchmal nicht aus, wörtlich zu übersetzen“, sagt sie. Die Versammlungen finden zweisprachig statt.
Zusammenarbeit auf politischer Ebene
Die Stadträte von Rheinau und Gambsheim stehen in engem Kontakt miteinander. Einmal jährlich veranstalten sie ein Treffen. Auch die Stadtbüchereien arbeiten zusammen. Sie tauschen regelmäßig Medien aus. Um die Beziehungen zu Frankreich noch mehr zu stärken, planen die Kollegen auf deutscher und französischer Seite eine bessere Verzahnung von Gastronomie und Handel. „Wir müssen vor allem das Marketing stärken“, erklärt Thomas Bantel, der in Rheinau für den deutsch-französischen Austausch zuständig ist. Ein besserer Rheinübergang für Fahrradfahrer und Fußgänger soll Deutsche und Franzosen noch näher zusammenbringen. Fördermittel zum Bau der Brücke sind bereits von beiden Seiten bei der EU beantragt.
Deutsch-französischer Vertrag
- Am 22. Januar 1963 schlossen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den deutsch-französischen Vertrag in Paris. Er sollte die seit dem Vertrag von Verdun (843) bestehende „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich beenden. Die Zusammenarbeit zwischen den Ländern sollte vor allem in den Bereichen Außenpolitik, Verteidigung, Erziehung und Jugend erfolgen. Der Vertrag erwies sich als wichtiger Stützpfeiler für die Europäische Einigung. Er legte den Grundstein für zahlreiche Projekte und Engagements über die Grenze hinweg.
von Jennifer Seelig und
von Bettina Fluhrer



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Schöne Sache, den Artikel mit einem Video noch anschaulicher zu machen.
Dieser Bericht ist sehr interessant, doch leider ist der Film “Französisch im Kiga Linx”
viel zu kurz, er könnte informativer sein.
Es ist sinnvoll mit den Kindern früh an Fremdsprachen heran zu gehen, da diese spielerisch und ohne Lerndruck im Kindergarten vermittelt werden. So bleibt eine positive Erfahrung für die Kinder, bevor sie in der Schule weiter unterrichtet werden.
Sprachen öffnen die Welt, und Kommunikation erweitert den Blickwinkel.
In einem vereinten Europa ist Verständigung sehr wichtig. Auf einand,er zugehen können, fördert den Frieden.
Schön das dieser Kindergarten das erkannt hat. Zur Nachahmung empfohlen. Danke für den Bericht!
Ein schöner Einblick, der Lust macht auf mehr !
Sprache und guter Sprachgebrauch sind das Tor zur Welt und weiterer Bildung- eine wunderbare Chance, die hier und auf diese Art und Weise wirklich allen Kindern offen steht! Was hier mit Freude verknüpft gelernt wird, ist eine wunderbare Grundlage für die Neugier auf noch mehr!