Starinterview

„Der Osten schmeckt nach Maracuja“

Kreischende Teenies und Blitzlichtgewitter: Die Schauspieler Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke stellten in Offenburg ihren neuen Film “Friendship!” vor. Unsere Autoren sprachen mit ihnen über Männerfreundschaft und Maracuja-Brause.

Freunde auf der Leinwand und im wahren Leben: Friedrich Mücke und Matthias Schweighöfer. (Quelle: Claudia Thoma für Hubert Burda Media)


Samstag, halb ein Uhr nachts in Offenburg. Matthias Schweighöfer reibt sich die Augen. Geschätzte siebenhundert Autogramme haben er und sein Kollege Friedrich Mücke gerade gegeben, und ihr Programm ist noch nicht zu Ende. Im Kinosaal sieben, vor einer Freiheitsstatue aus Pappe, beantworten sie geduldig Fragen zu ihren Rollen in der Post-Ost-Komödie „Friendship!“. Am Vorabend erst wurde Friedrich Mücke als bester Nachwuchsdarsteller mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

Sind Sie jetzt Freunde?
Friedrich Mücke: Ja, klar!
Matthias Schweighöfer: Wir sind beide Ossis, wir haben die gleiche Sozialisierung, wir passen einfach zusammen. Wir denken total gleich und wir haben den gleichen Humor.

Was macht so eine Männerfreundschaft aus?
Mücke: Dass man sich mal eine Krawatte oder ein Hemd leiht.

Was ist der Unterschied zu Frauenfreundschaften?
Schweighöfer: Mit dem Thema räum ich jetzt mal richtig auf. Alle Frauen die ich kenne reden sehr ausführlich über Intimitäten. Männer reden mittlerweile mehr über Beziehungen als Frauen. So erlebe ich das zumindest.

Was macht denn den typischen Ostjungen aus?
Schweighöfer: Der spricht Tschechisch und isst Würste. (lacht). Nein Quatsch. Kann ich gar nicht so genau sagen.

Gibt es 20 Jahre nach dem Mauerfall noch den Ossi und den Wessi?
Mücke: Ich glaube nicht, aber wenn, dann ist Matthias Schweighöfer auf jeden Fall „der Ossi“ (lacht).
Schweighöfer: Man erkennt das zum Beispiel an der Sprache, so ein bisschen halt (lacht). Aber es gibt auf jeden Fall einen Unterschied zwischen Berliner Westen und Berliner Osten, das is echt so. Der Sound ist ein anderer.

„In der ganzen Wohnung lagen Bastmatten“Matthias Schweighöfer

Was ist Ihre erste typische Erinnerung an die DDR?
Schweighöfer: Die Bastmatte im Klo, im Flur, in der Wohnung, überall. (lacht)
Mücke: Wir hatten eine Wohnung am Prenzlauer Berg in der Kastanienallee und da hatten wir auch überall Bastmatten. Und meine Mutter hat immer Stevie Wonder gehört „I just called to say I love you“. (Beide fangen an „I just called to say I love you“ zu singen)

Wie war es für Sie „Jungpionier“ zu sein? (Jugendorganisation in der ehemaligen DDR, Anm. d. Red.)
Schweighöfer: Hammer, hat mir sehr viel Spaß gemacht. (singt) Kleine weiße Friedenstaube…
Mücke: Ick war keener, meine Familie ist katholisch. Aber ick wär gern eener jewesen.

Können Sie sich an Ihre erste Reise in den Westen erinnern?
Mücke: Also meine Familie und ich sind zwei Tage nach dem Mauerfall nach Neukölln. Und die erste Anschaffung waren „Connectables“ von HotWheels, so Autos zum Zusammenstecken.

Gibt es so was wie den Geschmack des Ostens?
Mücke: Für mich ist das ne Limonade, die nach Maracuja geschmeckt hat. Die war in so einer schönen alten Flasche gewesen, so was gibt’s ja nicht mehr. Maracuja-Brause hieß das.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, was Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke über ihre Familien sagen.

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Der Autor

Katherina Paul

Ich bin die einzige, die ... in der Redaktion schwarzen Kaffee trinkt. Mein Lebenselexier.

Ich habe früher ... eine große Aversion gegen Auberginen gehabt. Die hält bis heute an.

Ich möchte in Zukunft ... unbedingt einen Roadtrip durch die USA machen.

Ich lache über ... mich selbst - und zwar oft. Es geht vieles leichter, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt.

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