Schüler besuchen die Städtische Galerie Offenburg

Moderne Kunst für Kinder: Ist das nicht zu schwierig?

Schwimmende Autos, Schwarzwaldwiesen und ein schlafender Jäger: Kinder entdecken in moderner Kunst mehr als Erwachsene denken. Die Städtische Galerie Offenburg bietet daher regelmäßig Kunstführungen für Kinder an.

Kunstpädagogin Isolde Finhold erklärt "Paris Grande", 2005 von Thietz   (Foto: Mailin Erlinger)

"Paris Grande" (2005) von Thietz mit vielen extravaganten Datails (Foto: Mailin Erlinger)

Die Arme der Schüler schnellen in die Höhe und recken sich. Jeder hat etwas auf dem großen Gemälde von Thietz erspäht und möchte erzählen, was es zu sehen gibt: „Da schwimmt ein Auto im Wasser und die Leute haben alle ganz lange Arme. Die Frau hat gar nichts an und der Mann da unten hat einen roten und einen gelben Schuh am Fuß!“ Die 17 Kinder der 3b aus der Grund- und Hauptschule Weier sitzen auf Kissen auf dem Boden der Städtischen Galerie Offenburg und zeigen auf Details des bunten Acrylgemäldes an der Wand.

Kunst im Blick: Kinder lernen Kunst zu verstehen

Die Klasse nimmt heute bereits zum zweiten Mal am Kurs Kunst im Blick teil. In der Veranstaltung geht es um den Blick, den Kinder auf ein Kunstwerk richten, die Geschichten, die ihnen die Werke erzählen und die Gefühle, die sie beim Betrachten empfinden. Isolde Finhold leitet die Schüler geschickt durch das Bild, erzählt vom Künstler und interpretiert gemeinsam mit den jungen Besuchern das Gemälde. Die 54-Jährige ist Erzieherin und Kunstpädagogin in der Städtischen Galerie und seit 15 Jahren als Museumspädagogin tätig.

Originelle Details begeistern die kleinen Kunstkenner


Lustige Tüten sind Stilmittel von Thietz (Foto: Mailin Erlinger)

Die Kinder lauschen gespannt und amüsieren sich: „Das ist ein lustiges Bild“. Die Pariser Stadtansicht von Thietz  hält viele Rätsel und Überraschungen bereit. Isolde Finhold geht auf jede Bemerkung ein und lobt die aufmerksamen Beobachter, die viele Fragen haben: „Warum hängen da überall Bänder aus dem Bild heraus?“ Die Museumspädagogin erklärt, dass der Künstler bunte Einkaufstüten aus Papier vom letzten Parisurlaub auf die Leinwand geklebt und übermalt hat. Die Trageriemen und Bänder ragen aus dem Bild.

Alle sechs Wochen wechselt die Ausstellung

Die aktuelle Ausstellung Aus dem Fundus zeigt zeitgenössische Werke von 1980 bis heute. Eine einmalige Gelegenheit, denn sonst sind die Exponate im Depot oder in den Diensträumen der Stadtverwaltung untergebracht. Die Künstler stammen aus der Gegend. Präsentiert werden Werke der Malerei, Bildhauerei und Grafik. Isolde Finhold hat sich heute für drei Kunstwerke der Malerei entschieden, die sie den Kindern näher bringen möchte.

Abstrakte Kunst: Zu schwer zu verstehen?

"Schwere Luft/ Rot" (2004) von Werner Schmidt (Foto: Mailin Erlinger)

Es ist manchmal gar nicht so leicht, mit abstrakter Kunst umzugehen. Viele meinen, dass sie für Kinder ungeeignet sei. Doch wenn die Kleinen professionell durch die Ausstellung geleitet werden, können sie sehr viel verstehen. Isolde Finhold und ihre Kollegin Marion Mechler gehen dabei auf die individuellen Erfahrungen der Kinder ein und erklären ihnen gekonnt die Werke. „Das besondere bei Kindern ist, dass sie nicht werten. Sie schauen sich ein Bild ganz frei an und sagen, was das Werk mit ihnen macht. Meistens liegen die Kleinen  mit ihren Ideen genau richtig und erkennen das, was auch dem Künstler am Herzen liegt“, erklärt Isolde Finhold. Dabei sei es allerdings wichtig, dass man die Kinder auf ihrer Ebene abholt und ihnen beim Auswerten des Kunstwerkes hilft.

Kunst muss nicht immer etwas abbilden, um zu wirken

Als nächstes zeigt Isolde Finhold den Kleinen ein abstraktes Gemälde von Werner Schmidt. Großflächig sind rote und grüne Farbebenen auf die Leinwand aufgetragen. Doch was gibt es hier zu sehen? Ist das überhaupt Kunst? Frau Finhold erklärt der 3b, dass sich durch Farben und Formen nicht immer nur Dinge, sondern auch Gefühle transportieren lassen. Die Kinder sind einverstanden, setzen ihre Fantasie ein und können sogar eine Landschaft mit Bergen und Schwarzwaldwiesen erkennen.

Oft transportiert abstrakte Kunst ein Gefühl (Foto: Mailin Erlinger)

Zwischen Wirklichkeit und Traum: Eine lebendige Fotokollage

Das dritte Werk, das die Museumspädagogin den Kindern zeigt, ist eine Fotocollage von Agnes Märkel. Fotografien von Bäumen verschmelzen mit Pastellzeichnungen zu einem großen Fantasiebild aus Traum und Wirklichkeit. Das gefällt den Schülern. Die Klassenlehrerin Barbara Wax (26) freut sich, wie viel Spaß ihre Schützlinge am Betrachten der Bilder haben: „Ich finde gut, dass die Kinder unterschiedliche Zugangswege zur Malerei kennen lernen und verschiedene Arten entdecken, wie sie sich durch Farben ausdrücken können.“ Im Anschluss an die Führung dürfen die Kinder selbst kreativ werden und ihre eigenen Kollagen schaffen. „Wenn man Kinder ohne Unterstützung in die Ausstellung schickt, können sie vielleicht nicht so viel mit dem einzelnen Werk anfangen”, erklärt Museumspädagogin Finhold, „aber wenn man sie gezielt an die Bilder oder Skulpturen heranführt und sie mit dem verbindet was sie sehen, dann können sie unglaublich viel erkennen und verstehen.“

"Weg, Kehre" (2000) von Agnes Märkel (Foto: Mailin Erlinger)

Weitere Termine für den museumspädagogischen Kurs Kunst im Blick:

    23. Februar 2011, 15 Uhr

    6. April 2011, 15 Uhr

    Für Kinder von 5 bis 8 Jahren

    Mit Isolde Finhold

    oder Marion Mechler

    Städtische Galerie Offenburg

    Amand-Goegg-Straße 2

    77654 Offenburg

    0781 82-2040

    www.museum-offenburg.de

Am Ende entstehen eigene Kunstwerke (Foto: M. Erlinger)


von Silvia Goics

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Der Autor

Silvia Goics

Vor der Ortenau wohnte ich ... in einer wunderschönen, kleinen Stadt am Meer.

Die Ortenau ist ... mein neues, idyllisches Zuhause.


Mein Lieblingsort hier ... ist ein Weinhügel in Zell-Weierbach, der eine herrliche Aussicht bietet.

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