Book-Crossing

Wenn Bücher Grenzen überschreiten

Beim Book-Crossing suchen Bücher Freunde – und das weltweit. Nun ist eine zweite Gemeinde in der Ortenau eine Crossing-Zone.

Cafe Süßes Löchle

Ein winziges Café im badischen Lahr. Geht man an der Holztheke mit der antiken Kasse vorbei, kommt man in einen kleinen Raum, überall stehen bunt gemusterte Döschen. In der Ecke ein hüfthohes Regal, vollgestellt mit etwa 100 Büchern. Alle sind mit einem Aufkleber versehen: „Nimm mich bitte mit. Ich bin ein besonderes Buch. Ich reise um die Welt auf der Suche nach neuen Freunden, die mich lesen wollen.“

Freundeskreis unterstützt Café mit Ideen

Die Bücher im Café „Süßes Löchle“ gehören zur ersten Book-Crossing-Zone in Lahr. Die Idee dazu stammt von Michael Ständer. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises, der mit verschiedenen Projekten mehr Gäste in das denkmalgeschützte Café locken möchte. Die Inspiration für das Book-Crossing hat er sich – natürlich – auf Reisen geholt. In einem Karlsruher Bahnhofsrestaurant hat er so ein Bücherregal in einer gemütlichen Sitzecke entdeckt. „Seit Mai vergangenen Jahres war ich ein paar Mal dort, um zu sehen, wie es läuft“, sagt Ständer.
Zu Beginn des Jahres hat der Freundeskreis das Book-Crossing in Lahr eingeführt. In der Ortenau findet man nur noch in Oberkirch „freigelassene Bücher“. Das Prinzip ist simpel: Jeder kann sich ein Buch aus dem Regal nehmen, es lesen und einfach in einer anderen Book-Crossing-Zone, überall in der Welt, wieder frei lassen. Kostenlos.

Book-Crossing als Projekt mit Langzeitwirkung

Für Ständer ist es jetzt noch zu früh, um die Resonanz wirklich einschätzen zu können. „Bewegung gibt es in dem Bücherregal schon“, sagt er. Ein Buch habe 17 Einträge, also Leser. Doch Ständer ist mit dem Projekt nicht auf den schnellen Erfolg aus. „Unser Ziel ist es, langfristig Leute an das ‚Süße Löchle’ zu binden“, sagt Ständer. Berichte und Interviews in den regionalen Medien haben kistenweise Buchspenden ausgelöst. Darin befanden sich sogar einige Kostbarkeiten. Etwa ein Lyrik-Band aus den Vierzigern, in Lahr erschienen, und von der französischen Administration autorisiert. Diese Bücher will der Freundeskreis versteigern oder direkt an Liebhaber verkaufen. Damit könnten die Mitglieder weitere Projekte für das „Süße Löchle“ finanzieren. Als nächstes plant Ständer, die alte Backstube, die an das Café anschließt, wieder in Betrieb zu nehmen. „Aber erst einmal hoffen wir, dass unsere Bücher und das ’Süße Löchle’ viele Freunde finden.“

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von Jennifer Seelig

Ein Kommentar

  1. Wunderbare Idee, diese Zone.

    Am Freitag wird übrigens die gesamte Hansestadt Bremen zur BookCrossing Zone. Durch die Aktion “Such ein Buch” vom virtuellen Literaturhaus Bremen. Hier ein Video-Interview dazu:
    http://bit.ly/bxlKoG

Der Autor

Jennifer Seelig

Ich bin die einzige, die ... ihren Hauptwohnsitz in Offenburg hat.

Ich habe früher ... nur Baggy Pants getragen.

Ich möchte in Zukunft ... zurück in den Norden, und schreiben.

Ich lache über ... Sarkasmus.

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