Bürgermeisterkandidat Udo Kardel
„Gengenbach muss sein Kaff-Image loswerden“
Udo Kardel ist ein Gengenbacher Urgestein. Er kennt jeden, jeder kennt ihn. Mit seinem Wahlprogramm, das sich insbesondere an die Jugend richtet, will er nun nach dem höchsten Amt im Städtchen greifen. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Bürgermeisterkandidat Udo Kardel würde gerne nach dem 6. Februar ins Gengenbacher Rathaus einziehen (Foto: Benjamin Seibring)
Serie zur
Bürgermeisterwahl 2011
- Die Kandidaten
Udo Kardel
Richard Weith
Stefan Grimm
Thorsten Erny
Rüdiger Widmann
Brennpunkt Ortenau: Herr Kardel, warum wollen Sie Bürgermeister von Gengenbach werden?
Udo Kardel: Ich habe viel von Gengenbach bekommen, nun will ich Gengenbach etwas zurückgeben. Nach dem Krieg sind meine Eltern nur mit einen Koffer in der Hand hier angekommen. Die Gengenbacher haben uns von Anfang an geholfen. Den jetzigen Lebenstandart habe ich meiner Heimatstadt zu verdanken. Das fängt schon bei den kleinen Dingen an: Ich bin ein leidenschaftlicher Tennisspieler. Der Sport wäre mir als Kind verwehrt geblieben, hätte der Verein mir nicht die Beiträge erlassen.
Welche politischen Vorbilder haben Sie?
Ich habe Wolfgang Schäuble nicht nur als Politiker, sondern auch als Nachbar schätzen gelernt. Er war der entscheidende Impulsgeber für meine Entscheidung, in die Junge Union einzutreten.
Warum treten Sie dann parteiunabhängig auf, obwohl Sie Mitglied in der CDU sind? Ist das Image der Partei so angekratzt?
Nein, ich steh zu meiner Heimatpartei CDU. Allerdings habe ich auch Freunde bei den Freien Wählern, den Grünen und der SPD. Ich trete als Udo Kardel an und möchte mit allen an einem Strang ziehen. Die parteipolitische Auseinandersetzung findet dann doch eher in Berlin statt.
“Die jungen Gengenbacher finden das klasse, dass ich kandidiere.”Udo Kardel
Sie möchten die Fachkompetenzen von Bürgern über das Internet vernetzen. Haben Sie dabei an ein lokales Facebook gedacht?
Die Plattform soll „Gengenbach gestalten“ heißen. Ich möchte die Ideen der Bürger dort bündeln.
Was erhoffen Sie sich davon?
Ein Social Network für die Kleinstadt, das aber auch als Ratgeber fungieren soll: Da sitzt ein altes „Mutterle“ daheim, hat Probleme oder Sorgen. Wenn sie es noch zum PC schafft, kann sie Hilfe über die Plattform anfordern.
Wie gut kennen Sie ihre Konkurrenten?
(er lacht) Über Thorsten Erny kann ich nichts sagen, ich habe ihn lediglich auf einer Veranstaltung erlebt. Richard Weith behauptet, dass er nichts mit Politik am Hut hat – seine Einstellung. Stefan Grimm ist ein Parteikollege mit einer etwas anderen Biographie. Er macht einen guten Job als Ortvorsteher von Bermersbach. Ich gehöre allerdings zum Gengenbacher Inventar und gelte als aufgeschlossener. So sagt man mir es zumindest nach.
Zur Person Udo Kardel
- Alter: 48
Beruf: Diplom-Volkswirt
Familienstand: Verheiratet, mit Kinderärztin Ana Bela Alves-Kardel
Kinder: Lisa (17) und Maximilian (13)
Wohnort: Gengenbach
Hobby: Tennis
Homepage: wird am 15. Januar freigeschaltet
Würden Sie die Arbeit des amtierenden Bürgermeisters fortsetzen oder grenzen Sie sich von ihm ab?
Anders als mein Vorgänger will ich endlich ein umfangreiches Freizeitangebot für junge Menschen schaffen. Die Kids sollen eben nicht immer nach Offenburg flüchten, damit sie was erleben können. Vor 16 Jahren habe ich bereits eine Veranstaltung für Jugendliche mit dem schönen Titel „Gengenbach – ein Kaff“ moderiert. Heute trifft dieses Image leider immer noch zu.
Wie schätzen Sie Ihre Chancen bei der Bürgermeisterwahl am 6. Februar ein?
Jeder Kandidat hat seine Stärken und Schwächen. Es wird knapp. Ich habe gestern bei einer Veranstaltung insbesondere bei den jungen Gengenbachern eine kleine Welle der Euphorie ausgelöst. Die finden das klasse, dass ich kandidiere.
von Benjamin Seibring



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