Bürgermeisterkandidat Stefan Grimm
„Ich will ein Marketingkonzept für Gengenbach“
Stefan Grimm sieht die Zukunft Gengenbachs als ökonomische Herausforderung. Was ihn noch bewegt und warum die Politik nicht für die Freizeitgestaltung von Jugendlichen zuständig ist, erklärt er im Interview.

Bürgermeisterkandidat Stefan Grimm setzt auf wirtschaftliche Stabilität (Foto: Karina Nennstiel)
Serie zur
Bürgermeisterwahl 2011
- Die Kandidaten
Udo Kardel
Richard Weith
Stefan Grimm
Thorsten Erny
Rüdiger Widmann
Brennpunkt Ortenau: Herr Grimm, warum wollen Sie Bürgermeister von Gengenbach werden?
Stefan Grimm: Mein Engagement für die Stadt Gengenbach reicht schon fünfzehn Jahre zurück. Ich habe einen Kindergarten aufgebaut, der im Bedarfsplan der Stadt mit sechs Gruppen steht. Ich sehe den Bürgermeisterposten als neue Herausforderung an. Es ist eine Möglichkeit, endlich etwas zu verändern. In den Rathäusern sitzen häufig nur Verwalter. Die schleppende Bürokratie haben die Bürger satt. Ich habe eine Alternative anzubieten.
Wo sehen Sie konkreten Nachholbedarf in Gengenbach?
Ich sehe große Mängel in der Gewerbeentwicklung. Diese wurde systematisch von den Platzhirschen hier forciert. Die Insolvenz des Möbelherstellers HUKLA hat sich schon früh angedeutet. Jetzt haben wir den Salat und das Steueraufkommen ist zu klein, um vernünftige Investitionen zu tätigen.
Welche Alternativen oder Lösungen bieten Sie jetzt an?
Der Standortvorteil von Gengenbach muss klar herausgearbeitet und zu einem Marketingkonzept gebündelt werden. Ich als Bürgermeister müsste dann mit meiner Führungskompetenz ein Paket schnüren, was unser Städtchen für Unternehmer interessant macht. Des Weiteren will ich mit den anderen Kommunen Ohlsbach, Berghaupten und Gengenbach in Verbindung treten, um so auch mit der ganzen Region in die Gänge zu kommen. Wenn wir das umsetzen können, dann hat auch Gengenbach wieder eine Chance.
“Jugendliche dürfen nicht durch das soziale Raster fallen.”Stefan Grimm
Wirtschaft nimmt einen großen Teil in ihrer Agenda ein. Wo setzen sie noch andere Schwerpunkte?
Gengenbach hat ein Kommunikationsproblem. Deshalb fordere ich ein offenes Rathaus. Verwaltung und Bürger sind zu weit auseinander. Das muss sich wieder ändern. Ein weiterer Punkt ist Bildung und Soziales – da müssen wir uns einfach am Bedarf orientieren. Ideologische Vorstellungen führen zu Fehlinvestitionen. Ein Beispiel: Alle Kinder unter drei Jahren müssen betreut werden. Wenn die Kindergärten dann nicht voll werden, hat die Stadt ein Problem.

Redakteur Benjamin Seibring im Gespräch mit Stefan Grimm (Foto: Karina Nennstiel)
Welchen Bedarf sehen Sie bei der Jugendarbeit? Müssen Anreize für Jugendliche geschaffen werden, damit sie in Gengenbach bleiben?
Die Kommune muss keine Jugendbeschäftigungsprogramme entwickeln. Meine Kinder beispielsweise wollen sich selber organisieren. Man muss nur darauf achten, dass keine Parallelgesellschaften entstehen. Jugendliche dürfen nicht durch das soziale Raster fallen.
Was verstehen Sie unter dem in ihrem Wahlprogramm vielbeschworenen Ideenmanagement?
Ich bin ein Bürger von 11.000 und wäre dann nur der Chef. Die Bürger sollen ihre Ideen äußern und ich nehme sie dann auf und vermittele gute Ideen in verschiedene Arbeitsgruppen. Das ist Ideenmanagement.
Zur Person Stefan Grimm
- Alter: 45
Beruf: Forstbetriebleiter
Familienstand: Verheiratet
Kinder: fünf (im Alter zwischen 8-21 Jahren)
Wohnort: Gengenbach
Hobby: Laufen, Radfahren
Homepage: www.stefangrimm.de
Sie wollen Gengenbach zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen. Wie stellen Sie sich das vor?
Was Energieeinsparung angeht, ist Gengenbach gut aufgestellt. Ich muss nur alle Optionen alternativer Energiegewinnung mit einbeziehen: Windkraft, Sonnenenergie und Holzenergie – Gengenbach könnte jetzt schon zu 100 Prozent durch Biogas versorgt werden.
Wie würden sie einem Grundschüler ihre Agenda erklären?
Pädagogisch bin ich vielleicht nicht so stark. Ich weiß nicht, ob ein Grundschüler das Wort Nachhaltigkeit schon versteht. Woher komme ich, wo stehe ich, wo will ich hin und zwar, wir zwei zusammen – so würde ich meine Agenda auf den Punkt bringen.
Was sagen Sie zu ihren Konkurrenten?
Alle Kandidaten sind für den Job qualifiziert. Ich sehe ein großes Potential für Gengenbach.
Wie sehen Sie ihre Chancen für den 6. Februar?
Ich will gewinnen. Ich hätte mich nicht beworben, wenn ich keine Chancen hätte.
von Benjamin Seibring


