Gedächtnistraining
„In die Bananenmilch hüpfen zwei Schinkenröllchen“
Gedächtnistrainer Roland Geisselhart hält am Montag ein Seminar im Technologiepark Offenburg. Brennpunkt Ortenau erzählt er, wie seine Methode funktioniert, im Job und selbst beim täglichen Einkauf.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas vergessen?
Vielleicht heute morgen, beim Zähneputzen. Weil mich meine Freundin gleich mit einem ganzen Haufen unerledigten Sachen überschüttet hat.
Wieviel mehr kann man sich nach ihrem Seminar merken?
Doppelt so viel. Wer sich jetzt vielleicht drei, vier Namen merkt, kann nachher zehn, zwanzig.
Wie funktioniert diese Verdoppelung?
Durch Training. Sie brauchen ein auffälliges Gesichtsmerkmal, das sie sich merken. Das müssen Sie ein bisschen ausmalen, dann müssen Sie den Namen verbildern, die zwei Bilder miteinander verknüpfen und können Sie sich so ohne Weiteres hundert Namen merken. Namen sind nur der Einstieg, aber für viele schon die erste Hürde. Viel interessanter ist es, wenn Sie in einer Firma Ihre Produktkenntnisse auf dem Laufenden halten, wenn Sie Ihre Argumente oder die freie Rede auch ohne Stichwortmanuskript halten.
Wir machen vor allem als Einstieg die Zahlenbilder. Also wir haben für Zahlen ein paar Bilder, so das Sie alles im Leben numerisch aufbauen können. Selbst bei einer Einkaufsliste, was leicht merkbare Daten sind, sind Sie bei sieben oder acht Punkten an der Grenze. Also wenn Ihre Frau zu Ihnen sagt, bring mir ein Liter Milch mit, und ein Pfund Bananen. Dann sagen Sie, ja mach ich. Dann noch ein paar Schinkenröllchen. Okay. Dann hätte ich gern noch zwei Kopfsalate und ein Pfund Tomaten. Oh, jetzt muss ich es aber aufschreiben. Zum Nachtisch noch eine Honigmelone, aber weich sollte Sie sein. Dann hätte ich gern noch eine Blockschokolade zum Raspeln und eine Sahne. Jetzt wiederholen Sie mal die acht Positionen. Die kriegen Sie nicht mehr zusammen.
“Der Sieger kriegt die Melone auf der Tafel Schokolade mit Sahne garniert.” Roland Geisselhart
Geschäft mit Gedächtnis
- Mit 16 Jahren verzweifelt Roland Geisselhart am Lernen von Französisch-Vokabeln. Gedächtnisübungen aus einem Heft mit Vaudeville-Tricks schaffen Abhilfe. Später wird er zunächst gelernter Großhandelskaufmann und arbeitet sieben Jahre lang für den Verwaltungsleiter einer Stuttgarter Klinik. Doch in der Volkshochschule gibt er nebenbei schon Gedächtniskurse. Als er sein Hobby zum Zweitjob machen will, lehnt sein Chef ab. Geisselhart macht sich selbstständig. Doch das geht fast schief. Erst ein Auftritt 1984 bei Alfred Biolek verschafft ihm den Durchbruch. Inzwischen gehört er zu einem der erfolgreichsten Vertreter einer boomenden Branche. Sein aktuelles, achtzehntes Buch heißt Verkaufen in der Krise.
Können Sie mir ein Beispiel für eine Gedächtnisübung geben?
Okay, Sie haben sich jetzt die Einkaufsliste Ihrer Frau nicht merken können. Dann machen Sie aus Milch und Bananen Bananenmilch. In die Bananenmilch hüpfen zwei Schinkenröllchen rein. Die bewerfen sich gegenseitig mit Tomaten und machen sich als Schmuck den Salat oben rein, wie die Indianer die Federn. Und der Sieger kriegt die Melone auf der Tafel Schokolade mit Sahne garniert. Wir haben eine Assoziation von Bildern und die Geschichte können Sie sich dann leicht merken. Dann haben Sie die Einkaufspositionen zwei, drei Stunden später auch noch.
Ihr Seminar in Offenburg nächste Woche Montag ist ausgebucht. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Die Methode funktioniert und gibt schnelle Erfolgsergebnisse. Zum mir kam kürzlich eine Mutter mit ihrem Sohn, der musste in Erdkunde 23 europäische Gebirge lernen. Er hat am nächsten Tag eine glatte Eins geschrieben.
von Dominik Drozdowski




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