Testphase in der Ortenau

Einkaufen bis zur Geisterstunde

Seit zwei Monaten können die Kunden in einem Supermarkt in Lahr bis Mitternacht einkaufen. Die Gewerkschaft Verdi läuft Sturm dagegen. Wie kommen die längeren Öffnungszeiten bei den Kunden an?

Die Rewe-Filiale in der Tiergartenstraße in Lahr

Kurz vor 23 Uhr liegt eine dünne Schneedecke auf dem Reweparkplatz in der Tiergartenstraße in Lahr. Zwei Autos stehen direkt vor dem Eingang, einige Autos stehen abseits vor dem Personaleingang. Zwei Mitarbeiterinnen ordnen Packungen mit Nussmischungen in den Regalen, die Mitarbeiterin an der Fleisch- und Käsetheke wartet auf Kunden. Es verlaufen sich aber nur zwei Kunden im Supermarkt. Ein Mann packt eine Packung Windeln in seine Tragetasche. In der Getränkeabteilung plagt sich ein anderer Mann mit dem Leergutautomat.

Längere Öffnungszeiten in der Testphase

Fünf Mitarbeiter für gerade mal zwei Kunden. Lohnt sich das? Der Rewe-Markt in Lahr will es probieren. Seit dem 16.November hat Rewe seine Öffnungszeiten auf 24 Uhr verlängert. Dies ist der erste Supermarkt in der Ortenau, der seine Pforten so lange öffnet. In dieser Testphase, die noch bis Ende März dauert, will der Handelskonzern herausfinden, ob längere Öffnungszeiten von den Kunden angenommen werden. Sechs Tage die Woche können die Kunden nun von sieben Uhr bis Mitternacht einkaufen.

Rewe gegen Verdi

Sabine Stachorski, Rewe-Pressereferentin für die Region Südwest sagt, dass die Mitarbeiter nachts „nur freiwillig arbeiten“. Niemand würde zur Nachtschicht gedrängt. „Besonders jungen Mitarbeitern kommen die längeren Öffnungszeiten gelegen“, sagt Stachorski. „Sie sind oft flexibler bei den Arbeitszeiten und nehmen das höhere Gehalt durch den Spätzuschlag gerne mit.“

Doris Below, Verdi-Sprecherin für Frauenarbeit und Handel in Südbaden, sieht die langen Öffnungszeiten kritisch. Sie bezweifelt die Notwendigkeit der langen Öffnungszeiten, denn „niemand hat davor gehungert und gedurstet“. Mitarbeiterinnen würden unter „freiwilligem Zwang“ länger arbeiten, aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Einige Angestellte besäßen kein Auto und wohnten außerhalb der Stadt. Ehemänner, Lebensgefährten und Söhne müssten diese Frauen nachts von der Arbeit abholen, da nachts kein Bus mehr fahre, so Below.

Zudem sagt sie, dass durch die längeren Arbeitszeiten keine neuen Arbeitsplätze entstehen. Die Rewe-Pressereferentin bestätigt, dass die zusätzlichen Arbeitsstunden in Lahr durch Teilzeit-Mitarbeiter erbracht werden, deren Stunden aufgestockt wurden. Zusätzlich wurden Mitarbeiter des kürzlich geschlossenen Rewe-Marktes in Appenweier übernommen.

Meinung der Kunden

Bei den Rewe-Kunden sind die Meinungen zu den neuen Öffnungszeiten gemischt.

Christian N. ist Industriekaufmann und arbeitet oft bis 20 Uhr. Er geht zweimal wöchentlich am Abend einkaufen. „Der Laden ist schön leer, und ich kann in Ruhe einkaufen“, sagt er.

Ulf K. hält die lange Ladenöffnung für eine „Schweinerei“. Er hat selber zehn Jahre im Einzelhandel gearbeitet. „Wenn man bis 20 Uhr nix hat, ist man selber schuld“, kritisiert er.

Dieter A., selbstständiger Werbekaufmann, findet lange Öffnungszeiten gut, „wenn dadurch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Mit seinen flexiblen Arbeitszeiten schafft er es jedoch immer, zu den üblichen Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr einzukaufen.

Irina H. fühlt mit den Mitarbeitern: „Die sind wohl nicht glücklich“. Irina H. arbeitet selbst fast ausschließlich Nachtschicht in einem Lahrer Industriebetrieb. Vor Festtagen kann sie sich längere Öffnungszeiten vorstellen, nicht aber jeden Tag.


von Alexandra Georg

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Der Autor

Alexandra Georg

Ich bin die Einzige, die ... ein Naturwissenschaftliches Studium hat.


Ich habe früher ... in Münster gewohnt.


Ich möchte in Zukunft ... als Redakteurin für ein Gartenmagazin arbeiten.


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