Bürgermeisterkandidat Richard Weith
“Ohne Vision kann ich den Stillstand ausrufen”
Richard Weith lebt seit acht Jahren in Gengenbach. Er steht für politisch neutrale Entscheidungen, die an der Sache und dem Menschen interessiert sind. Wir haben ihn genauer dazu befragt.

Bürgermeisterkandidat Richard Weith will das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Stadt wieder aufbauen (Foto: Benjamin Seibring)
Serie zur
Bürgermeisterwahl 2011
- Die Kandidaten
Udo Kardel
Richard Weith
Stefan Grimm
Thorsten Erny
Rüdiger Widmann
Brennpunkt Ortenau: Herr Weith, warum wollen Sie Bürgermeister von Gengenbach werden?
Richard Weith: Gengenbach ist eine attraktive Stadt. Ich bin in einem Alter, wo ich noch mehrere Amtszeiten machen kann, weil viele kommunale Projekte langfristig ausgelegt sind. Die fachliche Seite ist ein weiterer Grund. Ich bin Diplom-Verwaltungswirt und habe die Fachhochschule Kehl besucht, die auch als Bürgermeisterschmiede bekannt ist. Ich möchte jetzt mein langjähriges Wissen einbringen und die Stadt mit gestalten. Ich suche mir Gengenbach nicht als Karriereziel aus, sondern sehe es auch als Familienvater und Bürger.
Kam es für Sie nur in Frage hier zu kandidieren?
Ja. Das ist auch meine erste Kandidatur und wird auch meine einzige bleiben. Ich werde nicht ein zweites Mal kandidieren.
Welche politischen Vorbilder haben Sie?
Ich bin nicht parteigebunden und habe kein politisches Mandat in Gengenbach. Oftmals bekomme ich gesagt, dass ich schon acht Jahre hier lebe und bisher noch nicht so in Erscheinung getreten bin. Aber gerade diese politische Unabhängigkeit möchte ich zugunsten Gengenbachs nutzen. Ein politisches Vorbild ist Helmut Schmidt. An ihm schätze ich die Geradlinigkeit und die Authentizität.
“Die Stadt braucht externe Impulse.”Richard Weith
Herr Kardel sagte über Sie, dass sie nicht viel mit Politik am Hut hätten.
Ich bin kommunalpolitisch sehr interessiert, schon von Berufswegen her. Ich habe insofern mit der Politik nichts am Hut als das ich parteilos und unabhängig bin, ansonsten interessiere ich mich stark für Politik.

Redakteurin Karina Nennstiel spricht mit Richard Weith über seine Visionen
Kinder liegen Ihnen am Herzen. Insbesondere die Betreuung von Kleinkindern steht ganz oben auf Ihrer Agenda. wass muss da in Gengenbach noch passieren?
Der Ausbaustandard in Gengenbach ist sehr gut. Der liegt jetzt schon über der Von der Leyen-Forderung, bis 2013
35 Prozent Krippenplätze anzubieten. Mir geht es darum, dass das bestehende Angebot flexibilisiert wird. Die Eltern wollen eine Ganztagsbetreuung und eine flexiblere Inanspruchnahme.
Wo sehen Sie noch Nachholbedarf beim Freizeitangebot in Gengenbach?
Es gibt ein Jugendzentrum am Bahnhof. Da sehe ich Nachholbedarf, weil es kein Ort ist, wo sich Jugendliche gerne treffen. Mir schwebt eine Verknüpfung von Jugend- und Seniorenarbeit vor, ein Mehrgenerationenhaus. Dort werden Angebote für Jugendliche und Senioren unter einem Dach zusammengefasst. Das ist auch eine Vision, die von Teilen der Bevölkerung gewollt ist. Mir wurde da schon vorgeworfen, dass ist nicht finanzierbar. Aber wenn ich keine Vision habe, dann kann ich gleich den Stillstand ausrufen. Das Finanzierungsproblem ist ein Totschlagargument.
Haben Sie auch Pläne für ein kulturelles Programm in Gengenbach?
Die Rubinmühle, auf dem Gebiet am Bahnhof, ist ein altes Gebäude aus der Gründerzeit. Die Stadtentwicklungskonzeption hat dafür eine junge, alternative Nutzung vorgesehen. Ich kann mir vorstellen, dass dort eine Eventlocation für Feiern und Veranstaltungen entstehen könnte.
Zur Person Richard Weith
- Alter: 36
Beruf: Diplom-Verwaltungswirt
Familienstand: Verheiratet
Kinder: Johanna (9 Jahre), Daniel (6 Jahre), David (2 Jahre)
Wohnort: Gengenbach
Hobby: Schrebergarten, Radfahren, Wandern
Homepage: www.richardweith.de
Würden Sie die Arbeit des amtierenden Bürgermeisters fortsetzen, oder grenzen Sie sich von ihm ab?
Ich schätze Herrn Roschach sehr. Es sind Fehler gemacht worden, die aber überwiegend nicht in seiner Person begründet sind. Es geht um die mangelnde Information der Bürgerschaft und Bürgerbeteiligung bei wegweisenden Projekten. Beispiel Löwenberg-Gebäude. Dort ging es um historische Bausubstanz, die abgerissen wurde. Im Vorfeld sind die Bürger nicht genügend eingebunden worden. Und der jetzige Neubau passt nach Meinung der Bürger nicht dahin. Ich möchte eine offene Gesprächskultur und die lokale Agendagruppe wieder aktivieren, in der es viel Potenzial und Ideen gibt. Die Stadt braucht externe Impulse. Sie kann nicht nur aus sich selber Ideen bringen.
Herr Kardel stellt sich ein soziales Netzwerk für Gengenbach vor. Was halten Sie davon?
Da bringen Sie nie alle Altersgruppen unter. Und die Altersklasse 55 aufwärts ist dabei weitgehend ausgeschlossen, aber gerade die Leute muss man einbinden. Gengenbach hat ein sehr aktives soziales Netzwerk. Das muss ich nicht aufbauen. Ich muss es nur reaktivieren und fördern. Die Stadtentwicklungskonzeption muss weitergeschrieben werden, und alle an einen Tisch gebracht werden. Die Leute sind da, ich muss sie nur herausfordern.
von Karina Nennstiel


(11 votes, average: 3.36 von 4)