Sport-Selbstversuch
Fitness-Studio macht fett
Mein erster guter Vorsatz für 2010: Abnehmen. Also mache ich mich auf ins Fitness-Studio. Was ich dort erlebe, ist aber alles andere als hilfreich für meine Ambitionen.

Gezeichnet vom Fitness-Studio-Irrsinn entscheide ich mich, mein Abnehm-Vorhaben erstmal auf Eis zu legen (Quelle: BPO)
Begrüßt werde ich von Irina, der Theken-Bedienung. Mit ihren Acrylnägeln pult sie umständlich ein Formular aus einem Fach. Auch nach dem dritten Versuch schreibt sie meinen Namen falsch. Ich finde mich damit ab. Namen sind nur Schall und Rauch. Dann kommt Oleg, der Besitzer. Er wäre das perfekte Dolph-Lundgren-Double, würde er nicht pausenlos über positive Energie und Balance reden. Verwirrt von dieser Text-Bild-Schere, merke ich zu spät, dass Irina meine Trinkflasche mit einer obskuren Aloe Vera-Molke-Mischung füllt – zur „Reinigung von Innen“. Spitze! Dolph schickt mich erstmal auf den Stepper. Das aufgestylte, dünne Mädchen auf dem Gerät neben mir mustert mich herablassend. Auf der Bank vor mir liegt ein Schrank von einem Mann, mit Achselshirt und Goldkette. Jedes Mal, wenn er seine Hanteln stemmt, stöhnt er wie ein Elch zur Brunftzeit. Ich trinke, um mich abzulenken. Minuten später ist die Aloe-Vera-Sülze weggesoffen. Ich verabschiede mich auf die Toilette- meine Blase drückt. Der Gedanke an Flucht kommt auf. Doch schon entdeckt mich Irina und führt mich in den Kursraum.
Der Kurs: Von Feldwebeln und Todesangst
Trainerin Sandra, ein Mensch gewordener Power-Riegel, grinst unentwegt. Ich suche mir einen Platz neben einer Frau mit biederer Kurzhaarfrisur, Brille und ausladender Hüfte– hier wird mein Unvermögen nicht so stark auffallen. Dann geht’s los. Side-Steps, Irgendwas-Steps, Turns, Bein nach vorne und hinten, Po raus, Po rein….alles zu Latino-Rhythmen. Passt wie die Faust aufs Auge. Blasshäutige Ortenauerinnen, die CDU wählen und Schweinelendle essen sind ja bekannt für ihr Rhytmusgefühl und ihr gekonnt laszives Hüftkreisen. Feldwebel Sandra brüllt die Befehle derart laut, dass mein rechtes Ohr langsam taub wird. Ich stehe mittlerweile kurz vor einem Kreislaufkollaps. Meine Gliedmaßen schießen nur noch unvermittelt in irgendeine Richtung. Dazu kommt, dass meine auserkorene, ausladende Nachbarin ihre wuchtigen Arme derart ungestüm zur Seite reißt, dass ich jedes Mal in Todesangst ausweichen muss.
Das Ende: Achselschweiß und Käsepizza
Halb taub, erschöpft und psychisch labil schleife ich mich aus dem Kursraum. Meine stämmige Nebenfrau wuchtet sich an mir vorbei. Ich strauchle. Mein Fall wird von der schweißnassen, behaarten Achsel der Frau vor mir aufgefangen. Mir wird übel. Dauergrinse-Sandra meint: „Keine Kondition, was?“ Ich laufe weiter. Der Muskel-Schrank im Kraftraum stöhnt immer noch. Dolph steckt mir euphorisch eine Gratisprobe Aloe-Vera-Molke-Drink zu. Irina flötet mir zum Abschied wieder einen falschen Namen zu. Im Treppenhaus brüllt mir einer der Lederjackenträger vor der Spielothek im ersten Stock „krasser Arsch“ hinterher. Selber, denke ich und wähle die Nummer vom Pizzaservice. Extragroß mit doppelt Käse und ein großes Radler. Lebensnotwendige Nervennahrung. Nach diesem Training, hat die Vorstellung, fett zu werden, jeglichen Schrecken verloren.
von Kirstin Macher



Sehr lustig!
Na da hätt ich aber echt gern mal Mäuschen gespielt und zugesehen
Das nächste Mal nimmst mich aber mit – falls es ein nächstes Mal gibt!
Na wenigstens gibt es Training für die Lachmuskeln!
Der Hammer, Kirstin. Ich ziehe voll Anerkennung meine Hut vor dir und das nicht nur, weil du dich in die Muckibude gequält hast!
Es ist mit eine Ehre mit Ihnen zu dienen Frau Macher.
Kirstin du hast einen großartigen Humor !
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